Ausstellungsreihe kunstforumEXTRA im Stadtmuseum GunzenhausenP

„Love me tender” Digitale Bildwerke

05.12.2003 – 25.01.2004                                                                                                                                                                                                                      

Eröffnungsrede von Wolfgang Kienle, Stuttgart, Maler.

„Kein Wind, keine Wolken, kein Himmel ,-keine Sonne, kein Grasbüschel –irgendwie haben wir in den Bildern und Objekten von Heli Alberti ständig das Gefühl, dass etwas fehlt. Dieses Fehlen, diese „Fehler“ verwandeln die Bildrealität in eine Scheinrealität, die uns traumwandlerisch berührt –wirklich und unwirklich zugleich – gegenständlich und abstrakt in einem.

„Love me tender“ heißt der Titel der heutigen Ausstellung. Der Künstler Heli Alberti zeigt sein neuesten Arbeiten.

Der holländische Maler Herman Westendrop erzählte einmal, was ihn als jung-verliebter sehr beeindruckte:Eines Tages nahm er seinen ganzen Mut zusammen und gestand seiner stillen Angebeteten sein Geheimnis. Kaum warten seine Worte „ Ich- liebe- dich“ endlich heraus, so antwortete sie zu seiner Verwunderung „so zeige es doch!“. Das Wesentliche wurde ja nicht gesagt und auch nicht gezeigt.Sein Bekenntnis war ja auch nur – einer Mutprobe gleich- herausgestammelt.

So ist die Aufforderung alle Liebe zu zeigen, eine Aufforderung die Qualität dieser Liebe zu offenbaren. Egal, was wir tun, es geht eigentlich immer um die Qualität einer Handlung, ob wir lieben oder lachen. Sie lacht herzlich, sie lacht schüchtern, sie lacht spöttisch – sie kocht lustlos, sie kocht trotzig, sie kocht liebevoll.

„Sie kocht liebevoll“: heißt: Sie kocht mit Liebe – manche kochen nicht mit Liebe,  sondern mit Kartoffeln. Wie also zeigt sich, dass etwas mit Liebe gekocht ist ? und woran merke ich, dass „bloß gekocht“ ist ?.

Die Liebe steckt im Detail und auch das Lieblose steckt im Detail, wie auch der Teufel im Detail steckt. Herzlich lachen - liebevoll kochen – fasziniert zuhören: das Herz, die Liebe, die Faszination, das ist das, was uns fehlt wenn wir bloß lachen, bloß kochen, bloß zuhören- diese Blöße sollten wir uns nicht geben.

Auf Grasbüschel und Wolken können wir verzichten, nicht aber auf das Wesen, auf das Wesentliche, auf die Qualitäten in allen Einzelheiten – im Lachen, im Kochen, im Lieben.

In diesem Sinne: „Love me tender“.

„Heli Albertis fotografische Bildteile sind klar und übersichtlich. Alle Bestandteile sind begrifflich benennbar. Dennoch entziehen sich diese Bilder unserem Begreifen auf geheimnisvolle Weise. Diese Bildwelten vertauschen zuweilen das Verhältnis,von Ursache und Wirkung - so dass alle „scheinbare“ Wirkung etwas Ursächliches verändert.

Surreale Welten und unwirkliche Wirklichkeiten, wo es kein Wetter, keine Zeit, keinen Sonnenstand zu geben scheint – wo pure Erleuchtung aus unfassbaren Quellen alle Dinge ins Licht setzt- wo die Sprache der Schatten der einzige unwiderlegbare Beweis darstellt, dass es ein Licht geben muss , ohne, dass wir es „ausmachen“ können. Typisch für die Arbeiten von Heli Alberti ist, dass einerseits etwas fehlt und andererseits etwas dazukommt. So ist es augenfällig, dass die Bilder aus sich herauszuwachsen scheinen, dabei bilden die verschiedenen Schichten eine Zusammengehörigkeit – wo Bilder und Fragmente in merkwürdig- zeitversetzter weise, aus vergangenen Zeiten vorsichtig aus den Erlebnis- und Gedankenschichten herauspräpariert erscheinen.

In der Zusammenschau ergibt sich ein Bild, klar und übersichtlich.

Nur aber- wenn man beim Betrachten die richtige Sichtweise findet und den richtigen Augenpunkt fein austariert und millimetergenau abstimmt, erst dann kann man für kurze Momente das Objekt in die Fläche zwingen, es zum Bild machen, um damit die trennenden Schichten zu überwinden.In der Tiefenpsychologie ist es ein eigenes Kunststück tiefergelegene Schichten aus verschiedenen Ebenen an die Oberfläche zu holen, um alles in die Fläche einer gemeinsamen Gegenwart zu projezieren.

Der Künstler Heli Alberti gibt Ihnen heute die Gelegenheit und fordert Sie auf: „Gehen Sie direkt „vor Ort“ – und machen Sie sich ein Bild von – der – Lage – der – Dinge !“ Bilder, Visionen und Illusionen beflügeln unsere Realität. Weil aber auch die Liebe beflügelt und die Liebe zur Kunst – die Kunst beflügelt, ist eine beflügelte Kunst, eine Kunst, die dem Betrachter Flügel verleiht, um schließlich „von oben“ den rechten Überblick zu gewinnen.

Zum Schluss : ein herzliches, beflügelndes: „LOVE ME TENDER“.

 

Heli Alberti, der Feuchtenberger